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24 zöllige Maßstab


Ilia
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Ehrwürdiger Meister, geliebte Brüder,

eines der Werkzeuge, die mir die freimaurerische Tradition für meine Arbeit am rauhen Stein zur Verfügung stellt, ist der 24 zöllige Maßstab.

Er dient dazu, dass ich meine Zeit bei der Arbeit am rauhen Stein mit Weisheit einteile.

Die jedem Menschen zustehende, immer begrenzte Lebenszeit soll bewusst, sinnvoll und weise eingeteilt werden um ein erfülltes Leben zu verwirklichen.

Ich sage offen, das ist für mich ein Problem.

In der modernen Gesellschaft sind Schnelligkeit und Effektivität von einer hohen Bedeutung, egal ob es um Geschäftsvorgänge oder um private Ziele geht.

Es ist nicht Aufgabe meiner Zeichnung diese Einstellung zu bewerten, aber ich sehe es als eine persönliche Herausforderung an, nicht so zu handeln.

Eine falsche Zeiteinteilung führt nicht nur zum Scheitern im Beruf sondern auch zu Frustration und gesundheitlichen Problemen.

Es geht dabei nicht nur darum, dass jemand, der seine Termine nicht einhält, keinen Erfolg im Beruf haben kann, sondern es gehört zu den Folgen dieses Problems Schwierigkeiten mit anderen Menschen zu bekommen und die Gefahr eines Burnouts heraufzubeschwören, wenn Psyche und Körper mit dem falschen Lebensrhythmus nicht mehr zurecht kommen.

Dies führt zu erheblichen Schäden für die Gesundheit.

Es war für mich nicht einfach mich mit diesen negativen Folgen einer falschen Zeiteinteilung auseinanderzusetzen.

Ich habe erkannt, dass ich meine letzte Zeichnung nicht rechtzeitig genug vorbereitet habe, weil ich meine Zeit falsch eingeteilt hatte und mit dem 24 zölligen Maßstab nicht zurechtgekommen bin. Das Ergebnis war entsprechend.

Dieses Erlebnis war für mich auch insoweit besonders wichtig, weil es mir für meine berufliche Arbeit genutzt hat.

Mir wurde bewusst, daß die straff ausgerichtete Ausnutzung der Zeit in Verbindung mit einer stetig zunehmenden Arbeitsgeschwindigkeit in meinem beruflichen Leben eine wichtige Rolle spielt.

Es ist ein verbreiteter Trend in der modernen Gesellschaft, die Zeit in monetären Äquivalenten zu messen, nach dem Motto „Time is Money“. Obwohl diese Formulierung von unserem Bruder Benjamin Franklin stammt1, würde ich für mich nicht behaupten, dass diese Einstellung meine freimaurerische Sicht der Zeit richtig ausdrückt.

Um zu verstehen, wie ich die Zeit mit Weisheit einteilen kann, muss ich mir erst einmal darüber klar werden, wie ich die Zeit definiere.

Der Philosoph Gilles Deleuze führt die von den Stoikern eingeführte Unterscheidung von zwei Modellen der Zeit, Chronos und Äon an2, d.h. er unterscheidet eine zirkuläre Zeit, die immer wieder kehrt, und eine lineare Zeit, die irreversibel ist.

Die zirkuläre Zeit ist in der Natur bei dem Wechsel der Jahreszeiten oder dem Wechsel von Tag und Nacht zu beobachten.

Die Anschauung der Zeit als einem Zyklus ist bei den Naturvölkern und im Altertum verbreitet. 3

Auch in der modernen Gesellschaft und in der Freimaurerei gibt es Feste, die mit dem Jahreskreis verbunden sind und archetypische Handlungen symbolisieren.

Diese Handlungen werden außerhalb der profanen Zeit, „in illo tempore“ vorgenommen.

Ereignisse, die in der linearen Zeit passieren, sind real, sie haben keine symbolische Bedeutung und repräsentieren keine archetypischen Vorgänge.

Die lineare Zeit fließt, in eine eindeutige Richtung, laut Augustinus4

„Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert, in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen“.

Ohne das lineare Zeitverständnis ist kein Fortschritt, keine konsequente, zukunftsorientierte Tätigkeit möglich.

Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, warum der Maßstab 24 Zoll beinhaltet und nicht 7, 10 oder 40 und für mich die folgende Erklärung gefunden.

Die Zahl 24 ist durch die Primfaktoren 2 als auch 3 teilbar und deswegen ist das Produkt der ersten natürlichen Zahlen 1x2x3x4= 24.

Cicero hat gemeint: „Der Mensch selbst aber ist dazu geboren, das Weltall zu betrachten und nachzuahmen – keinsesfalls als vollkommenes Wesen, sondern sozusagen als ein winziges Teilchen des Vollkommenen5“, deswegen habe ich den Zahl 24 in den kosmischen Rhythmen gesucht.

Eine Erdumdrehung nennen wir einen Tag. Diesen haben wir Menschen in 24 Stunden eingeteilt.

Ich habe noch ein weiteres Beispiel für diese Zahl 24 in den Naturrhythmen gefunden. Ein Sonnenjahr beträgt ungefähr 12 Mondmonate. 6

Es gibt also in einem Sonnenjahr ungefähr zwölfmal die Zeit, wenn der Mond zunimmt und zwölfmal die Zeit, wenn der Mond abnimmt.

Es gibt also im Jahr 24 Perioden, bei denen die Phase, in der der Mond zunimmt und die Phase, in der der Mond abnimmt, wechseln.

Der Rhythmus der Natur besteht also in einem ständigen Wechsel des Lichts und der Finsternis, einer Hochphase und einer Tiefphase, so wie auf dem 24 zölligen Maßstab die hellen und die dunklen Abschnitte sich abwechseln.

Um Zeit einteilen zu können, ist es notwendige Voraussetzung, daß man die Zeit messen kann.

Dafür sind sich wiederholende Ereignisse notwendig.

Die Frequenz der Wiederholung dieser Ereignisse ist ihr Rhythmus. Es gibt feste Rhythmen im Kosmos, im menschlichen Körper, in der Gesellschaft.

Der Traditionsforscher Titus Burckhardt beschreibt Rhythmus als "Brechung der ewigen Gegenwart im Strome der Zeit"7

„Zeit mit Weisheit einzuteilen“ bedeutet für mich, im Einklang und in der Harmonie mit diesen Rhythmen zu leben.

Eine in diesem Sinne harmonische Zeiteinteilung ist z. B. in einem bekannten Freimaurerschema dargestellt.

Ich habe über das Schema in unserer Loge bei der Zeichnung von Bruder H. gehört.

Danach habe ich nach dem Ursprung des Schemas geforscht und es im Lehrlingskatechismus der Großen Loge von Preußen, genannt Royal York zur Freundschaft im Orient Berlin gefunden.

Die 24 Stunden des Tages soll der Maurer einteilen in:

sechs Stunden zur Arbeit

sechs Stunden für den Dienst am großen Baumeister

aller Welten

sechs Stunden um einem Bruder oder Freund zu dienen

soweit es in seinen Kräften steht

sechs Stunden zum Schlafe.

Es geht dabei natürlich nicht um eine Vorschrift, die jeden Tag um jeden Preis dogmatisch verwirklicht werden soll, denn das wäre im Gegenteil keine "weise Zeiteinteilung".

Es gibt z.B. Tage an denen man 8 Stunden seiner Arbeit nachgeht und es gibt Feiertage, an denen man nicht arbeitet.

Es geht um die Prioritäten. Ich würde diese in zwei mal zwei Gruppen ordnen:

Gruppe 1

- Arbeitszeit und Schlaf, sind die Zeiten die man für sich selbst

nutzt.

- Karitative Tätigkeit und die Spiritualität sind im altruistischen

Modus

Gruppe 2

- Arbeitszeit und karitative Tätigkeit sind nach außen gerichtet

Schlaf und für die Spiritualität sind nach innen gerichtet

Daraus ziehe ich für mich den Schluß, dass aktive Tätigkeit und Meditation, Altruismus und Streben nach Glück und Selbstverwirklichung immer ein Gleichgewicht bilden müssen, und dass meine Zeit entsprechend eingeteilt werden muss.

Als Zusammenfassung kann ich sagen, dass "Zeit mit Weisheit einzuteilen" für mich nicht nur bedeutet, die Zeit zu schätzen, sondern auch die von mir gesetzten Lebensprioritäten an den freimaurerischen Werten zu messen.

Stellt sich heraus, daß die von mir gesetzten eigenen Prioritäten den freimaurerischen Werten nicht genügen, dann wird mich dies veranlassen, die Prioritäten neu und anders zu setzen.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, zu sagen, was mir die Mitgliedschaft in der Loge gebracht hat.

Ich habe neue starke freundschaftliche Beziehungen zu interessanten Menschen geknüpft, die ich sonst kaum kennen gelernt hätte.

Freimaurer zu sein, ist auch eine Aufforderung zur Arbeit an meiner persönlichen Vervollkommnung. Ein hoher ethischer Maßstab dem ich versuche gerecht zu werden.

Freimaurerische Rituale sind zum Gegenstand meiner Gedanken und Meditationen geworden.

Auch die Zeit mit Weisheit einzuteilen ist eine Aufgabe, mit der ich mich intensiv auseinandersetze.

Ich kann nicht behaupten, dass ich diese Kunst schon vollkommen beherrsche, aber, „Ich habe mich bemüht“ und ich bemühe mich weiter.

Ehrwürdiger Meister, geliebte Brüder, ich danke euch dafür, dass Ihr

mir ein Teil eurer Zeit geschenkt habt.

Meine Zeichnung ist beendet.

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Mensch, hast Du selber alles geschrieben ... ich kann so was nicht ... was werde ich dort machen?

Oder gibt es schon vorgefertigte Texte? Ich bin nicht so kreativ, und zu jeder Thema, wo ich was sagen kann, schaffe ich mit einem maximal zwei Sätzen schon alles zu klären.

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Mensch, hast Du selber alles geschrieben ... ich kann so was nicht ... was werde ich dort machen?

Oder gibt es schon vorgefertigte Texte? Ich bin nicht so kreativ, und zu jeder Thema, wo ich was sagen kann, schaffe ich mit einem maximal zwei Sätzen schon alles zu klären.

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