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Der Baumeister


Генрих
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(Der Ursprung ist leider unbekannt)

Es war einmal, vor langer langer Zeit, da lebte in der Wüste Arabiens ein kleiner gläubiger gottgefälliger Mann. Sein Name war Salomo, das bedeutet "der Friedliche". Salomo war so begeistert von seinem Gott, dass er ihn ehren wollte. Deshalb hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, einen schönen großen Tempel zu bauen: gottgefällig sollte er sein, wie er selber, und der Tempel sollte allen zeigen, wie schön sein Gott ist. Aber wie sollte er das machen? Er selber hatte keine Ahnung vom Tempelbau. Also fragte er jeden Fremden, der zu ihm kam: "Kennst du einen Baumeister? Einen Baumeister, der mir einen Tempel bauen kann? Einen schönen großen Tempel, der aller Welt zeigt, wie schön und liebevoll mein Gott ist?" Aber niemand konnte ihm helfen. Da wurde Salomo sehr traurig. Er fühlte sich so einsam. Keiner konnte ihm helfen.

Eines Abends als er mal wieder nach einem langen Tag in der Einsamkeit der Wüste sass, sah er eine kleine Karavane auf seine Oase zukommen. Erst war sie nur sehr klein, aber nach und nach zeichneten sich durch den Dunst der Wüste Gestalten ab. Die Karavane kam immer näher. Es erschien Salomo, als ob sie aus dem Sonnenuntergang geboren würde. Er wusste, heute war ein besonderer Abend; es war ein heiliger, ein heiler Abend, so rund und vollkommen wie es nur wenige Abende in einem Leben gibt. Als die Karavane an ihm vorbeiritt sah er einen alten Mann. Und Salomo fragte wieder, wie schon so oft in seinem Leben: "Kennst du einen Baumeister? Einen Baumeister, der mir einen Tempel bauen kann? Einen schönen großen Tempel, der aller Welt zeigt, wie schön und liebevoll mein Gott ist?" Der alte weise Mann antwortete ihm, "Ich habe schon mal von einem solchen Mann gehört. Er heißt Hiram; das bedeutet, "wo ist mein Vater"; der Sohn der Witwe. Hiram lebt in Deiner Nachbarschaft. Er wird Dir bestimmt helfen!"

Salomo freute sich derart über die gute Nachricht, dass er die Karavane bewirtete und ihnen Anbot, bei ihm zu bleiben. Aber die Karavane musste weiter. Sie wussten, dass stillstand für sie den Tod bedeutete. Sie konnten nur in der Welt leben, Handel treiben und Geschichten sammeln, die sie von Oase zu Oase trugen. Es war ihre Art ihren Gott zu ehren. Ihr Gott lehrte: Hilf den anderen, aber binde Dich nicht an sie. Gehe Deinen Lebensweg und versuche die Menschen die Du auf Deinem Weg triffst ein wenig glücklicher zu machen. Das wusste Salomo natürlich nicht und so war er ein wenig traurig, als die Karavane vergnügt weiterzog. Aber er war auch sehr zufrieden, weil er nun wusste wo er seinen Baumeister suchen musste. Sofort setzte er sich hin und schrieb einen Brief: "Hilfe Hiram! Ich möchte gerne einen Tempel haben und weiß nicht, wie ich ihn bauen soll. Kannst Du mir helfen?" Der nächsten Karavane gab er dann den Brief an Hiram mit und hoffte darauf, dass Hiram ihm eine gute Antwort geben würde.

Er wusste natürlich, dass der Baumeister Hiram ihm nur aus freien Stücken helfen würde. Wie sollte er auch unter Zwang eine gute Arbeit machen? Salomo machte sich auch Sorgen: Wie kann ein Mann allein einen Tempel bauen? Er konnte sich nicht wirklich vorstellen, wie man so etwas bewerkstelligen könnte. Aber er vertraute auf seinen Gott und wartete. Jede freie Sekunde stierte er in die Wüste und hielt Ausschau nach Hiram. Aber er kam nicht; niemand kam. Salomo fragte sich schon, ob die Karavane oder vielleicht sein Brief in der Weite der Wüste verloren ging, oder ob es Hiram nun wirklich gäbe. Es könnte ja auch sein, dass der weise Alte ihn angelogen hatte. Salomo sass in der großen weiten Wüste und weinte. Er konnte nicht mehr so weitermachen. Seine Welt drohte zu zerfallen. Alles hatte sich gegen ihn verschworen.

Doch da war ein Geräusch hinter ihm. Es legte sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter. Sie war ganz zart und weich aber gleichzeitig auch hart und groß. Der Besitzer dieser Hand, sagte zu Salomo: "Hab keine Angst. Ich werde Dir helfen. Ich bin Hiram. Ich werde Deinen Tempel bauen, damit jeder sehen kann, wie schön Dein Gott ist und ihn jeder anbeten kann, der will. Aber nur unter einer Voraussetzung!". Salomo erwachte wie aus einem Traum. "Natürlich, alles was Du willst! Was möchtest Du haben? Frauen, Ziegen, Land? Nimm Dir was immer Du willst!". Salomo drehte sich um und sah jetzt Hiram vor sich. Ein langer Hühne mit freundlichen Augen. Hiram sagte zu Salomo: "Ich brauche Deine Reichtürmer nicht. Sie sind schön, aber sie gehören nicht zu meinem Leben. Ich habe sie nicht erarbeitet. Was ich ererbt von meinen Vätern, erwerbe ich, um es zu besitzen. Ich taste Dein Erbe nicht an. Ich baue Deinen Tempel unter einer Voraussetzung: Zwinge nie – wirklich nie - jemanden, Deinen Gott anzubeten. Zwinge nie jemanden in Deinem Tempel Deinen Gott anzubeten. Wenn Du, oder Deine Nachkommen, jemanden Zwingen in Deinem Tempel zu beten, wird Dein Tempel zerstört werden. Er zerfällt zu Asche und Staub und wird sich im Fluss der Zeit verlieren." Salomo stimmte den weisen Worten sofort zu und war insgeheim sogar glücklich, dass Hiram nicht mehr von ihm verlangte und er so billig davon kam.

Salomo wartete darauf, dass sein schöner Tempel fertig würde und erwartete sehnsüchtig den Augenblick, an dem er das erste Mal seinen Gott in seinem Haus anbeten könnte. Dabei beobachtete er Hiram. Hiram war ein seltsamer Mensch. Er hatte keinen Anfang und kein Ende; er kam von irgendwo her und ging irgendwo hin; er hatte keine Vergangenheit und keine Zukunft. Aber Hiram beherrschte die Gegenwart. Hiram war da wo er gebraucht wurde. Wenn eine Mauer zu brechen drohte, stützte er sie ab, wenn ein Stein gefallen war, hob er ihn wieder auf und brachte ihn in die richtige Stelle im Werk ein. So wuchs der Tempel von Tag zu Tag und war auch sehr schnell fertig. Alle Arbeiter liebten Hiram. Salomo war sogar ein wenig Eifersüchtig auf Hiram. Er verkörperte alles, was er selber gerne gewesen wäre. Salomo vergaß darüber fast, das er selber doch auch sehr viele gute Eigenschaften hatte. Als Hiram fertig war, ging er noch ein letztes Mal zu Salomo und sagte: "Bitte erinnere Dich, bevor Du das erste Mal zu Deinem Gott sprichst, an unserer Abmachung! Zwinge niemals jemanden, das gleiche zu tun, was Du auch tust. Wirke durch Deinen Geist, durch Deine Ausstrahlung, und wenn dann jemand nach Deinem Gott fragt, erzähle ihm von ihm. Wenn jemand zu Deinem Gott möchte halte ihn nicht davon ab; und wenn er wieder weg von Deinem Gott will, dann lass ihn in Frieden ziehen. Ich wünsche Dir mit Deinem Tempel und Deinem Gott eine fruchtbare Zeit. Mögen sich Deine Kinder noch an unsere Abmachung erinnern. Erzähle Ihnen von mir, und erkläre Ihnen unser Geheimnis. Du bist ein Meister wie ich! Lass uns unsere Meisterworte in unser Herz meisseln und wir bewahren es auf, sodass es nie verloren geht! Daran sollen sich unsere Kinder und Kindeskinder erkennen und sich dann an uns erinnern!" Salomo wusste, dass Hiram ihn nun verlassen wollte. Also ging er mit ihm zusammen bis an den Rand der Oase und Hiram ging in die wilden Weiten der arabischen Wüste. Salomo sah im nach, bis Hiram im Dunst der Hitze verschwand.

Natürlich war Salomo ein wenig traurig, dass er jetzt allein, ohne Hiram war. Er hatte sich so sehr an ihn und die Gespräche gewöhnt, dass ihm etwas fehlte. Aber Salomo freute sich doch viel mehr darüber, dass der Tempel so schön und großartig wurde. Er ging in seinen Tempel und betetete mit reinem Herzen seinen Gott an. Im Laufe der Zeit kamen viele Menschen, die seinen Gott bewunderten. Salomo machte es, wie er es mit Hiram besprochen hatte. Er vergaß nie die Meisterworte, die zwischen ihnen standen.

Die Gemeinde wuchs und wurde immer größer. Als Salomo merkte, dass er sterben würde, suchte er sich seinen Nachfolger aus. Kurz vor seinem Tod rief Salomo seinen Nachfolger zu sich bat ihn, weil Salomo schon sehr geschwächt war, sich an seine Lippen zu beugen. Salomo flüsterte ihm ins Ohr, "Es gab einmal einen Baumeister er hieß Hiram. Er hat unseren wundervollen Tempel gebaut. Wir haben eine Abmachung von ungeheurer Wichtigkeit. Daran erkennen wir uns, Hirams Nachfahren und meine Nachfahren. Wir - Hiram und ich - sind Meister; unsere Nachfahren sind Meister. Die Worte, die wir sagten, weil wir uns über die Grenzen unseres Geistes verstanden haben .," Salomo war schon sehr schwach. Er flüsterte mit matter Stimme: "Ich muss schnell das Meisterwort, das Meisterwort, es ist .", und Salomo verstarb. Das Wort war verloren. Die Stimme verklang im Dunst der Zeit. Salomo ist nicht mehr. Das Wort verloren.

Salomos Tempel wurde zerstört, aber seine Worte klingen noch heute, leider bleiben sie ungehört. Salomos Kinder und Kindeskinder wurden in alle Welt zerstreut, die Ursache dafür, wurde nie bereut. Noch heute suchen sie die Baumeister auf und stellen Fragen, sie haben sich nie gescheut, "Kennst du einen Baumeister? Einen Baumeister, der mir einen Tempel bauen kann? Einen schönen großen Tempel, der aller Welt zeigt, wie schön und liebevoll mein Gott sein könnte?" Aber es findet sich kein Hiram mehr. Die Wüste bleibt öd und leer! Die Nachfahren Hirams, sie kommen nicht mehr. So sehr man sie auch sucht, unter Hecken, in ihren Verstecken: die Nachfahren Hirams haben gelernt daraus! Bau nie einen Tempel, die Menschen machen sich nichts draus! Das Bild sei wichtig, vermitteln sie, aber das Wort das dahinter steht, erfassen sie nie. Sie machen viel Worte, machen viel Wind, im Urteilen sind sie geschwind, aber die Worte Hirams, kaum dass sie verklungen, haben keinen Sieg in der Welt errungen. Salomos Kinder haben Gehör sich erzwungen. Aber es ist kein Sieg, sie ziehen nur in den Krieg. Heute nennen sie es den Krieg der Worte! Aber zum kriegersein braucht man mehr als Worte. Die Karavanen ziehen auch heute noch umher und erzahlen Geschichten aus uralten Zeiten; sie erzählen sie an allen Orten. Aber einen Hiram, vermitteln sie nie mehr. Auch sie haben gelernt daraus, und erzählen heute nur noch Geschichten und dichten. Aber vermitteln, das tun sie nie mehr. Die alte Zeit ist vergessen und man lernt nichts mehr daraus. Sie ist vorbei. Der wichtige Augenblick zerrinnt in den Händen der Zeit. Vergangenheit und Zukunft sind die Schlagworte heut. Der Augenblick, die Gegenwart, wenn sie vergangen, kann kein Mensch je mehr erlangen.

Ein paar Jahrhunderte später kamen kluge Köpfe zusammen. Sie dachten sich, die Zeit wäre reif für eine Veränderung. Die Klosterkirche von Saint-Denis, die von Abt Suger entworfen wurde, gilt als erstes gotisches Bauwerk. Durch das herausnehmen vieler Stützwände erhielt die Kirche nicht nur ein grazileres Aussehen als die romanischen "Gottesburgen", sie war auch viel lichtdurchfluteter. Dies wurde in der Folgezeit bei neuen Bauwerken immer weiter perfektioniert, spätere gotische Kathedralen sind als Lichtsymphonien konzipiert. Als Vorbild wurde meist die Sainte-Chapelle in Paris genommen.

Von der Ile-de-France breitete sich dieser Baustil auf große Teile West-, Mittel- und Südeuropas aus (Frankreich, Deutschland, Polen, England, usw.). In Italien war ihre Herrschaft nur kurz - dort wurde sie als "barbarischer Stil" verachtet und wird, ganz im Ursprungssinne der Bezeichnung des von einem Germanenstamm Kommenden, auch heute noch als "stile tedesco" – als deutscher Stil bezeichnet.

Die Geschichte, die ich erzählen möchte beginnt in Reims. Es ist das Jahr 1211. Die Baumeister der Kathedrale bleiben unvergessen. Obwohl Salomos Kinder diese Namen vergessen. Kein anderer war so vermessen. Aber sie bleiben in unserer Erinnerung. Baumeister Jean d'Orbais machte den Entwurf und fertigte die Baupläne. Er legte den Grundstein. Fünf weitere Architekten werden Jean d'Orbais nachfolgen und seine Pläne ausarbeiten, so daß ein einheitliches Modell verwirklicht wird. Ihre Namen wurden im Labyrinth, das im 18. Jahrhundert entfernt wurde, eingemeiselt: Jean d'Orbais arbeitete am Chor und den Kranzkapellen. Jean Leloup errichtet das Schiff und die Westfassade. Gaucher de Reims stellte die Skulpturen (ca. 2300) auf und realisierte die Portale. Bernard de Soisons entwarf das große Rosenfenster und lies das Schiff überwölben (1285). Hirams Kinder, ihr bleibt unvergessen! Ich bin stolz auf Euch! Was Ihr geschaffen, kann mein Auge kaum fassen. Salomos Kinder müssen Euch es lassen!

Heute steh ich hier. Und kann nicht anders. Ich soll Hirams Nachfahre sein. Traurig schaue ich in den Erdenrund; er kommt mir vor wie der Höllenschlund. Nichts von Hirams Weisheit, nichts von Salomos Friedfertigkeit ist geblieben. Die Weisheit gibt es weder hüben noch düiben, es werden viele Worte gemacht, wir träumen vom Tag, aber es wurde Nacht. Wir stehen vor unserer wunderschönen Kathedrale, die unsere Väter bauten und staunen stolz. Was sind wir aus einem tollen Holz. Wir erfreuen uns an den vielen schönen Steinen. Ich könnte weinen. Wir stellen uns davor und haben Kassenhäuschen aufgestellt, damit auch andere, die sich dafür interessieren, die Kathedrale von innen bestaunen - gegen Entgeld versteht sich. Sie sollen ehrfürchtig raunen. Aber wehe dem, der die Kathedrale nicht bestaunt und dumme Fragen stellt; der muss sofort neutralisiert werden, der Dissident. Er schadet uns! Den müssen wir entfernen! Was bildet sich dieser Mensch denn ein, dieser Profane!? Na ja, er ist natürlich nur ein Profaner, er kann es nicht besser wissen, aber er soll den Mund halten, wir wollen es nicht wissen! - Und ich liege weinend auf meinem alten Kissen. Ich habe verloren. Mir gings wie damals den Toren, den Nachfahren Hirams und Salomos. Wo ist das blöde Wort, sag es schon, los! Stirb nicht einfach, geh nicht weg, lass mich nicht allein in meinem Dreck! Sag das Wort, erkläre es mir, ich wäre Dir so dankbar dafür. Aber meine Worte hört niemand. Es ist niemand da. Ich bin allein und schaue in meine Wüste hinein.

Ich sehe die anderen, sie gehen in die Bauhütten und bewerfen sich mit Steinstaub, damit sie wenigstens so aussehen, als ob sie die Steine behauen würden. Wir sind ja schließlich keine operativen Maurer. Wir sind was besseres: Wir haben erkannt, dass die spekulative Maurererei viel mit Reden zu tun hat. Wir werden Mehrheiten suchen, mit denen wir diskutieren können, ob wir denn nun auch mal einen Stein behauen sollten. Leider fehlt allen die Kraft und die Vision aus so einem Stein einen Schlussstein zu machen. Ein Stein ist so schwer, wie soll man ihn auf die Bank bekommen?! Man könnte mit einem kleinen Hämmerchen auf dem Boden beginnen, aber das gibt Kreuzschmerzen, wenn man sich so tief bückt. Und das dauert so lange, bis so ein Stein, wenn denn überhaupt, fertig würde. Außerdem ist es doch albern, wenn ein erwachsener Mann mit einem Spielzeughämmerchen an so einem großen Stein steht. Der wird verlacht! Das kann doch gar nicht gehen! Wir müssen diesen Maurer vor sich selber schützen! Die Bruderliebe gebietet uns das! Er muss verrückt geworden sein! Mit der Zeit wird vielleicht mal der ein oder andere Stein der Kathedrale kaputt gehen und ein oder zwei Brüder erinnern sich wieder daran, wie man einen Stein behaut. Der Stein wird dann ersetzt und schon kann die Kathedrale weiter bestaunt werden. Den Brüdern geben wir einen Orden! Mordskerle sind wir! Tja, so sind wir eben. So machen wir das! Wir sind eben einfach gut! Wir sind ja schließlich keine Profanen! Wir können das machen! So bleiben wir glücklich, so bleiben wir zufrieden, so wollen wir es haben, so wollen wir es machen!

Aber, was seh ich da? Da kommt ein kleiner Wicht; ein Nachfahre Hirams. Ich glaub es nicht. Er kommt aus meiner Wüste. Ich erkenn ihn nicht. Ich beginne zu ahnen, wer das ist. Hiram, ich habe Dich so oft gesucht, Hiram, ich glaub an Dich. Der Wicht schaut mich seltsam an. Er sagt, "Du, Kind des Salomos, wer ist hier der Wicht? Du hast die Weisheit und das Geld. Ich habe habe erworben, was ich nun besitze." Bescheidenheit, oh komm zu mir. Lass mich lernen, erzähl es mir! Da sagt der neue Hiram: "Hab keine Angst. Ich werde Dir helfen. Ich bin Hiram. Ich werde Deinen Tempel bauen, damit jeder sehen kann, wie schön Dein Gott ist und ihn jeder anbeten kann, der will. Aber nur unter einer Voraussetzung!" "Alles was Du willst", schrei ich ihn an. Freundlich erklärt Hiram mir, "Du bist so reich, so toll, Du bist der, dessen Wort selbst im Olymp erscholl. Ich bin nichts! Ich habe nichts! Aber ich habe auch nichts zu verlieren. Ich räum hier auf. Ich bin doch nur ein armer Wicht. Ich kann mich bücken und ein Hämmerchen erblicken. Das nehm ich mir und geb es Dir!" Und ich fang zu üben an. Erst an einem kleinen Stein,

es muss ja nicht mein eigner sein! Aber wenn ich die Kraft und den Mut bekomme, begebe ich mich an den größten Stein. Das soll dann mein eigner sein!

Aber vor einem graut es mir. Welchen Lohn will Hiram, was nimmt er mir? Nimmt er mein Geld, mein Wissen? Ach, so lieg ich wieder auf meinem alten Kissen. Was mach ich bloss? Ich komm von Salomo nicht los. – Aber eigentlich, was hab ich zu verlieren? Bin ich nicht auch ein kleiner Wicht? Ich kann auch räumen und beschauen. Mit dem Hämmerchen zaghaft hauen; eine kleines Ding erbauen. Es muss ja keine Kathedrale sein. Ein Haus soll's werden, für mich allein; nicht für meine Nachfahren, das muss nicht sein. Ich bin nicht Hiram; ein Mensch bin ich blos! Ich kann nicht bauen, keine großen Bauwerke mehr schauen. Mir reichts! Aber ich kann meinen Stein behauen; aber das tu ich nicht, damit ihn andere beschauen. Ich machs für mich; ich mach es jetzt. Ich folge Hiram, das beginn ich jetzt! Es wird viel kleiner, aber schön wird's werden! Da bin ich mir ganz sicher.

Und wenn ihr an meinem Häuschen vorbeikommt, irgenwann einmal, und ein Lichtlein im Fenster seht, dann kommt rein, und schaut es Euch an. Es ist nicht groß, aber schön ist's dann! Und, wenn es so richtig gemütlich wird, erzähle ich Euch die Geschichte von Hiram und wie er baute! Hiram war groß, Hiram war klein, aber Hiram war auch nie allein. Es ist die Geschichte eines Baumeisters. Sie beginnt so, "Es war einmal, vor langer langer Zeit, da lebte in der Wüste Arabiens ein kleiner gläubiger gottgefälliger Mann. Sein Name war Salomo, das bedeutet "der Friedliche". Einen wunderschönen Tempel wollter er bauen. .

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