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Ignaz Aurelius Feßler – bekannter Unbekannter


Генрих
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„Viele Sachen sind uns unverständlich nicht deswegen,

weil unser Verstand zu schwach ist,

sondern weil sie zum Kreis unseres Verstandes nicht gehören.“

Kozma Prutkov

Wir haben schon zahlreiche Zeichnungen über Feßler gehört und kaum gibt’s was, das wir über ihn nicht gewußt hätten. Ich aber möchte diese Zeichnung von dem Punkt anfangen, wo viele andere Arbeiten auf das Thema sich beenden. Was ist eigentlich mit dem Reformator nach dem Konflikt in der von ihm gegründeten Großloge geschehen?

Ignaz Aurelius Feßler hat von seinen 83 Lebensjahren (1756 – 1839) 47 Jahre (1784 – 1831) der Bruderschaft gewidmet. Fast eine Hälfte davon, 22 Jahre, hat er in Rußland verbracht und der Entwicklung der russischen Freimaurerei geopfert. In diesem Land war er Mitglied in 6 Logen:

„Peter zur Wahrheit“ i.O. S.- Petersburg,

„Berg Favor“ i.O. S.- Petersburg,

„Loge der verbundenen Freunden“ i.O. S.- Petersburg,

„Polarstern“ i.O. S.- Petersburg,

„Feßler’sche Loge“ i.O. Saratov und

geheimer Freimaurerkreis „Feßler’sche Versammlungen“ in S.- Petersburg.

Letztere 3 wurden von ihm selbst gegründet und mehrere Jahre geleitet.

1802 hat er die Große Loge Royal York wegen Anfeindungen verlassen und sich der Loge „Zu den drei Bergen“ in Freiberg angeschlossen, die sich seine Annahme von den so undankbaren Berlinern nicht verbieten ließ. 1803 zog er nach Gut Kleinwall. Seine Verhältnisse wurden immer schlimmer, lange hielt er sich nur durch Zuwendungen auswärtiger Maurer – Freunde über Wasser. Der Krieg mit Napoleon hat ihn seines ganzen Besitzes beraubt und 1806 wurde er von dem russischen Staatssekretär und Freimaurer, Michael Speransky, als Professor für orientalischen Sprachen und Philosophie an die „Geistige Akademie“ des Alexander Newsky Klosters in Sankt – Petersburg eingeladen.

Sofort nach seiner Ankunft besuchte er die deutschsprachige Loge „Peter zur Wahrheit“, aber die Brüder waren sehr zurückhaltend, weil auf die Erkundigung, die der Großmeister der Direktorialloge „Wladimir“ Johann Jakob Böber in Berlin über ihn einholte, der Ordenmeister der Großen Landesloge, Friedrich August Castillon, sehr unfreundlich sich äußerte. Unter anderem warf er ihm vor, er habe einen eben getauften Juden, der von der Loge Royal York abgewiesen wurde, nach Hamburg empfohlen und dort seine Aufnahme bewirkt. Ein Jahr später gründete Feßler mit dem Stuhlmeister der Loge „Peter zur Wahrheit“, Johann Georg David von Ellisen, und Michael Speransky das Kapitel „Polarstern“, in welchem sich die Mitglieder der Staatskomission für die Reformierung der Freimaurerei in Rußland versammelten.

Ideen der Vereinfachung der Freimaurerei und der Übergabe derselben einer staatlichen Bedeutung waren für ihn wichtig. Einführung des Liberalismus in die Bruderschaft und dem Gedankengut von Lessing und Fichte folgend, sah Feßler allumfassende Reformen vor. Inneres Vervollkommnen und Erziehung der Bürger für eine neue Gesellschaft waren die Knackpunkte in seinem Konzept. Die Idee an sich war nicht neu, aber ihre Realisierung hatte früher nie den Charakter eines „von oben“ genehmigten Planes gehabt. Im September 1810 haben Feßler und sein Kapitelbruder, Gustav Adolf von Rosenberg, den Plan der Reorganisation der russischen Freimaurerei dem Imperator Alexander I übergeben. Speransky hat dazu eine neue Freimaurer - Konstitution beigelegt. Umgehend wurde eine Kommission gerufen, in der außer Feßler und Speransky auch Vertreter anderer Freimaurersystemen und des Staatsapparates teilnahmen. Es kann aber zu keiner Einigung.

Im Februar 1811 kam Feßler nach Moskau, wo er mit dem Historiker und Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, Br:. Nikolay Karamsin, mit dem Rektor der Moskauer Universität, (Prof.) Br:. Johann Christian Andreas von Heim und mit dem Patriarch der russischen Freimaurerei, Br:. Nikolay Novikow, sehr aktiv verkehrte. Später hat er den Universitätsverlag mitgeleitet und viele Werke von Denkern der Aufklärung übersetzt und veröffentlicht um kirchliche und staatliche Reformen vorzubereiten. Gleichzeitig formierte sich die konservative Opposition, deren Basis die Brüder aus dem „Schwedischen System“ bildeten. Nicht die letzte Rolle in der Situation spielten die Änderungen in der Außenpolitik. Nach zwei Jahren der Periode von aktiven freundlichen Beziehungen mit Frankreich ist plötzlich die Frage des Krieges aktuell geworden. Der politische Bund mit Schweden führte auch zur Reaktion gegen Reformstrebungen. Den letzen Punkt im „Kampf gegen Illuminaten“ hat Polizeimeister Graf Rostoptschin gestellt, der eine Welle von Diskreditierungen von Speransky und seinen Kampfgenossen als französische Spionen in Gang gebracht hat. Dazu waren alle Mittel eingesetzt wie Festnahmen, Verbannungen aus Moskau und S.- Petersburg, Pogromen in Logen, Morden.

1813 zog Feßler nach Saratov als Aufseher eines Waisenhauses und Vorsitzender der lutherischen Konsistorien der Wolga deutscher Kolonien. Dort gründete er auch eine Loge, die seinen Namen trug und zu keiner Vereinigung, Großloge oder Bund gehörte. Damals war es die erste, unabhängige Organisation in Rußland. Dies führte dazu, daß sie mit der Dekabristen – Loge „Drei Tugenden“ befreundet war und oft von ihren Brüdern besucht wurde. Die Feßler’sche Loge bestand hauptsächlich aus deutschen Kolonisten und russischen Offizieren. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den aufklärerischen und religiösen Aktivitäten gewidmet. In Saratov wurden ein männliches Gymnasium und ein weibliches Institut gestiftet. Für die kirchlichen Schulen hat die Loge über 500 Tausend Goldrubeln gespendet. In der deutschen Schulen verbreiteten sich „Katechismus“ und „Enzyklopädie“, von Feßler geschrieben. Er hat kirchliche Rituale geändert, ein besonderes Hochzeit – Gebet geschrieben und die „Kirchliche Volksbuße“ eingeführt, die noch von Martin Luther abgeschafft worden war.

1814 haben die Brüder der S.- Petersburger Loge „Peter zur Wahrheit“ sich unter dem großen persönlichen Einfluß von Feßler von allen Hochgraden losgesagt. Sie haben alle schottischen Logen und alle Großbeamtenpositionen verlassen, spalteten sich von anderen Logen ab und haben erst das Ritual des Tugendbundes und später das Schrödersche Ritual übernommen. Das war eine Reaktion auf den Versuch der konservativen Logen ein System, ähnlich der „Strikten Observanz“, einzuführen.

1822 wurde die Revolutionsbewegung so aktiv, daß der Kaiser die Freimaurerei verbot. Die meisten Logen wurden aufgelöst, Freimaurer – Angelegenheiten und Dokumente vernichtet und der Rest des Besitzes anderen karitativen Organisationen übergeben. Feßler hat das Verbot ignoriert und arbeitete weiter. Einige Brüder der geschlossenen Logen zogen nach Saratov um. Erst nach dem Dekabristen - Aufstand wurde Feßler am 14. Dezember 1826 verhaftet und nach S. – Petersburg zur Untersuchung abtransportiert. Die Dekabristen – Mitglieder seiner Loge wurden verbannt, andere Brüder standen unter Polizeiaufsicht.

Trotz aller Verbote war er der Letzte, der die Werkzeuge auf die Seite abgelegt hat. Er hat selbst unter Polizeikontrolle wieder die Freimaurer – Versammlungen organisiert. Ein geheimer Bruderkreis hat unter seiner Leitung bis 1831 gearbeitet. Dann hat die Geheimpolizei auf Grund einer Anzeige die Gruppe aufgelöst.

Ignaz Aurelius Feßler, General - Superintendant der lutherischen Kirche in Rußland und geistiger Berater der lutherischen Gemeinde in S.- Petersburg ist am 15. Dezember 1839 gestorben und auf dem lutherischen Friedhof Wolkovo in S.- Petersburg bestattet worden.

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